AREDS2 erklärt: Was die Studie gezeigt hat – und was nicht

Eine verständliche Erklärung der AREDS2-Studie – wer untersucht wurde, was die Nahrungsergänzungsformel enthält und welche wichtigen Grenzen gelten: Es war keine Präventionsstudie für gesunde Augen.

Zuletzt geprüft: August 2026

Warum es diesen Artikel gibt

„AREDS2“ steht auf vielen Nahrungsergänzungsmitteln — oft verbunden mit Aussagen, die durch die Forschung gar nicht belegt sind. Dieser Leitfaden erklärt, was in den AREDS- und AREDS2-Studien tatsächlich untersucht wurde, was die Formel enthält und — genauso wichtig — wo die Grenzen der Evidenz liegen. Dies ist keine medizinische Beratung; die Entscheidung über Nahrungsergänzungsmittel sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Augenarzt oder Optometristen treffen.

Was AREDS und AREDS2 waren

Die vom U.S. National Eye Institute durchgeführte Age-Related Eye Disease Study (AREDS) untersuchte, ob eine bestimmte hoch dosierte Kombination aus Antioxidantien und Zink das Fortschreiten der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) verlangsamen kann. Die Folgestudie AREDS2 (JAMA, 2013) passte diese Formel an — Beta-Carotin wurde entfernt, da es bei Rauchern mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko in Verbindung gebracht wurde, und die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin wurden ergänzt 1.

Die AREDS2-Formel enthält:

  • Vitamin C 500 mg
  • Vitamin E 400 IE
  • Zink 80 mg (oder eine untersuchte Variante mit niedrigerer Zinkdosis)
  • Kupfer 2 mg
  • Lutein 10 mg + Zeaxanthin 2 mg

Was die Studien tatsächlich gezeigt haben

Bei Menschen, die bereits eine intermediäre AMD oder eine fortgeschrittene AMD an einem Auge hatten, senkte die AREDS/AREDS2-Formel das Risiko eines Fortschreitens zu einer fortgeschrittenen AMD über einen Zeitraum von fünf Jahren in moderatem Umfang 12. Für genau diese Patientengruppe ist das ein relevanter, evidenzbasierter Befund — und deshalb können Augenärzte die Formel diesen Patienten empfehlen.

Was die Studien nicht gezeigt haben — die wichtigen Grenzen

Hier gehen viele Marketingaussagen über die tatsächliche Evidenz hinaus. Wichtig ist:

  • AREDS2 war keine Präventionsstudie für gesunde Augen. Eingeschlossen wurden Personen, die bereits AMD hatten oder ein hohes Risiko dafür aufwiesen. Die Studie zeigte nicht, dass das Präparat AMD bei Menschen mit gesunden Augen oder ohne Risikofaktoren verhindert 2.
  • Für frühe AMD wurde kein Nutzen gezeigt — nur für intermediäre bis fortgeschrittene Erkrankungen.
  • Die Formel ist keine Behandlung, die AMD rückgängig macht oder heilt. Im besten Fall verlangsamt sie das Fortschreiten bei der untersuchten Patientengruppe.
  • Hoch dosierte Zink- und Antioxidantienpräparate sind nicht risikofrei und können mit anderen Erkrankungen oder Medikamenten interagieren — ein weiterer Grund, diese Entscheidung medizinisch abzuklären 2.

Einfach gesagt: Eine Flasche mit der Aufschrift „AREDS2-Formel“ enthält eine bestimmte Vitaminzusammensetzung. Ob Sie sie einnehmen sollten, hängt davon ab, ob Ihre Augensituation der in den Studien untersuchten Patientengruppe entspricht — das sollten Sie mit Ihrem Augenarzt klären, nicht anhand des Etiketts entscheiden.

Formulierungen, die wir vermeiden

Da es sich um ein Gesundheitsthema handelt, achten wir bewusst auf die Wortwahl:

  • Wir sagen niemals, ein Nahrungsergänzungsmittel „verhindert Makuladegeneration“. Korrekt ist: AREDS2 verlangsamte das Fortschreiten zu fortgeschrittener AMD bei Menschen, die bereits eine intermediäre oder fortgeschrittene Erkrankung hatten.
  • Wir bezeichnen AREDS2 nicht als „für gesunde Augen empfohlen“. Die Formel wurde weder für Menschen mit geringem Risiko entwickelt noch an ihnen getestet.
  • Wir verweisen auf die Primärstudie, statt vage Formulierungen wie „Studien zeigen“ zu verwenden.

Was Sie mit diesen Informationen tun sollten

  1. Wenn bei Ihnen eine intermediäre oder fortgeschrittene AMD festgestellt wurde, fragen Sie Ihren Augenarzt oder Optometristen, ob die AREDS2-Formel speziell für Sie geeignet ist.
  2. Wenn Ihre Augen gesund sind oder Sie nur frühe Veränderungen haben, gibt es keine Evidenz, dass die Formel hilft — sprechen Sie stattdessen über Ernährung, Rauchstopp und regelmäßige Kontrollen.
  3. Betrachten Sie jedes Produkt, das behauptet oder suggeriert, das Präparat könne AMD verhindern oder heilen, als Marketingaussage, die durch die Forschung nicht gestützt wird.

Wann Sie ärztliche Hilfe suchen sollten

AMD und andere Erkrankungen der Makula können sich plötzlich verändern. Eine neue Verzerrung gerader Linien, ein dunkler oder leerer Fleck im zentralen Gesichtsfeld oder eine rasche Verschlechterung des Sehvermögens sind Gründe, zeitnah einen Augenarzt zu kontaktieren, statt einfach mit einem Nahrungsergänzungsmittel zu beginnen. Hinweise für Notfälle finden Sie im medizinischen Haftungsausschluss. Regelmäßige Augenuntersuchungen mit Pupillenerweiterung bleiben der wichtigste Bestandteil der Früherkennung von AMD 3.

Quellen

Footnotes

  1. Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) Research Group. Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration: the AREDS2 randomized clinical trial. JAMA (2013) 309(19):2005–2015. PMID 23644932. doi:10.1001/jama.2013.4997 2

  2. National Eye Institute. Age-Related Macular Degeneration (AMD) — AREDS/AREDS2. National Institutes of Health. nei.nih.gov 2 3

  3. American Academy of Ophthalmology. Age-Related Macular Degeneration — Preferred Practice Pattern. aao.org/preferred-practice-pattern

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